Namibia & Mittelatlantik-Expedition: Vergangenheit und Gegenwart treffen in Praia, Kap Verde, aufeinander
The WorldDie „Destination Experience“ nach Praia und Cidade Velha auf der Insel Santiago war eine Reise durch die Zeit und zwischen den Kontinenten. Die europäische Expansion in die nicht-westliche Welt begann hier im 15. Jahrhundert mit der Gründung von Cidade Velha. Die Inseln spielten eine Schlüsselrolle im westafrikanischen Handel und wurden zum Tor zur weiteren atlantischen Welt. Luso-Afrikaner aus Kap Verde wurden in ganz Westafrika zu Händlern, Vermittlern und Verwaltungsbeamten. Kap Verde war von der ersten Besiedlung der Kapverdischen Inseln im Jahr 1462 bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1975 eine Kolonie des portugiesischen Reiches.

Die „Destination Experience“ begann in Praia, das 1770 zur offiziellen Hauptstadt der Kolonie wurde (heute lebt dort ein Großteil der Bevölkerung von Kap Verde). Praia war zuvor ein verschlafenes Fischerdorf gewesen, galt jedoch als besser gelegen als die ältere Siedlung Cidade Velha. Heute versprüht Praia sowohl europäisches als auch afrikanisches Flair. Die Kopfsteinpflasterstraßen und die mit Steinen gepflasterten Gehwege erinnern an Lissabon, und es gibt viele Spuren der Kolonialgeschichte der Insel. Doch die Einblicke in den Hauptmarkt, die Straßenverkäufer und das ruhige Treiben vermitteln ein afrikanisches Gefühl. Bevor wir Praia verließen, statteten wir dem Ethnografischen Museum einen kurzen Besuch ab, in dem eine Reihe von Vitrinen mit Artefakten ausgestellt war, die die lange Geschichte der Insel veranschaulichten.

Als wir Praia verließen, begaben wir uns auf eine Zeitreise zurück nach Cidade Velha, das heute zum Weltkulturerbe gehört. Diese Siedlung war bereits mehr als 200 Jahre alt, als Praia zur Hauptstadt wurde. Heute ist es im Vergleich zu Praia ein verschlafenes Dorf, doch die frühe Kolonialgeschichte der Insel ist hier noch immer deutlich spürbar. Unsere Reise begann mit einem kurzen Besuch der königlichen Festung São Felipe (St. Philipp), die die Stadt überragt und einen spektakulären Ausblick bietet. Der Bau der Festung begann nach dem Angriff des britischen Freibeuters Sir Francis Drake auf die Siedlung im Jahr 1585. Einige Teilnehmer mit scharfem Blick entdeckten auf dem Gelände Fragmente portugiesischer Keramik aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.


Anschließend fuhren wir den Hügel hinunter nach Cidade Velha. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir die Kirche „Senhora do Rosário“ (Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz). Der Bau der gotischen Kirche begann im Jahr 1495, womit sie das älteste noch erhaltene Bauwerk der Stadt ist. Zu den malerischen Häusern mit Steinmauern in den Straßen gehörten weiß getünchte und kürzlich renovierte Häuser ebenso wie Gebäude ohne Dächer, die auf ihre Restaurierung warten.

Eine düstere Erinnerung an die Vergangenheit der Insel war der Pranger auf dem Stadtplatz. Er wurde im frühen 15. Jahrhundert errichtet und war das Symbol der städtischen Autorität sowie angeblich der Ort, an dem ungehorsame Sklaven ausgepeitscht wurden. So ernüchternd dieser Ort auch war, betonte unser Reiseleiter, dass die Sklaven auf den Inseln ein ganz anderes Leben führten als jene in Europa und Amerika. Aus der Verbindung von „freien“ Menschen und Sklaven entstanden viele neue Familien, und größtenteils lebten alle in Frieden miteinander. Die heutige Bevölkerung sind die Nachfahren einer bunten Mischung aus Italienern, Spaniern, Portugiesen und Afrikanern – die eine einzigartige kreolische Kultur und Sprache teilen, die ganz und gar ihre eigene ist.
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